Vorstellungen
Filmkritik
Nat (Davika Hoorne) möchte ihren Mann March (Witsarut Himmarat) im Krankenhaus besuchen. Auf welchem Zimmer er liegt, erfährt sie von der Krankenpflegerin am Empfang. Außerhalb der Besuchszeiten aber darf sie nicht zu ihm. Denn wie kann ein Staubsauger einen Ehemann haben? Nat korrigiert: Sie sei kein Staubsauger, sondern ein Geist, der einen solchen als Seelenbehältnis gebraucht. Die Krankenpflegerin bleibt hart: Dem Gesetz nach sei sie als Verstorbene nicht mehr Marchs Ehefrau und habe sich deshalb an die offiziellen Besuchszeiten zu halten. Die Lebenden nehmen es genau in der Welt von „A Useful Ghost“, auch wenn sie die seltsamen Geistererscheinungen recht selbstverständlich hinnehmen.
March etwa erkennt seine Frau sofort. Er umarmt sie innig, während sie mit der Bodendüse zärtlich seine Brustwarzen ansaugt. Die Liebe schert sich weder um die Akzeptanz der Gesellschaft noch um Äußerlichkeiten. Ja, nicht einmal das Leben ist für sie von Bedeutung. Der thailändische Regisseur Ratchapoom Boonbunchachoke spielt seine schwer verkennbare Metapher auch in der Rahmenhandlung durch. Der Erzähler der Geschichte, ein Ladyboy mit Staubsaugerproblemen (Wisarut Homhuan), bandelt seinerseits mit einem Geist an, während dieser ihm die Geschichte von Nat, ihrem Ehemann March und dessen Mutter Suman (Apasiri Nitibhon) erzählt.
Das Paranormale, die Liebe & der Klassenkampf
Die Schwiegermutter des Staubsaugergespensts Nat wird noch von einem weiteren Geist heimgesucht: von Tok (Krittin Thongmai). Noch wenige Tage zuvor hatte er in Sumans Fabrik gearbeitet, bis er, Blut hustend, zusammenbrach und starb. Jetzt wütet sein noch immer hustender Geist in der Fabrik, fuchtelt mit den Abluftschläuchen, von denen er Besitz ergriffen hat, herum und verflucht die Arbeitgeberin, die ihm jegliche Belästigung der Arbeiter:innen untersagt hat. Das Paranormale, die Liebe und Klassenkampf liegen in diesem so trocknen vorgetragenen wie absurd komischen Film nahe beieinander.
„A Useful Ghost“ ist voll von Kapriolen und verbotenen, verspielten, oft queeren Liebeleien, die allesamt dort stattfinden, wo Maschine und Körper, Leben und Tod einander berühren. Viel Farbe ergänzt den lakonischen Grundtenor des Films: Verliebte Staubsauger glühen lilafarben, traurige und beschämte strahlen in tiefem Blau, und selbst dort, wo mechanisierte Geister nicht auftreten, setzt „A Useful Ghost“ über Kostüme und Vegetation immer wieder schöne Farbakzente in der Welt der Lebenden. Die Existenz von Geistern ist hier keine Überraschung oder gar ein Tabu. Nur Einmischungen in die Angelegenheiten der Lebenden ist unerwünscht. Das ist dort ein großer Spaß, wo Staubsauger-Geister auf Wartebänke verwiesen, von Mönchen getadelt, von der Polizei mit der Waffe im Anschlag zur Ordnung gerufen oder von anderen heimgesuchten Haushaltsgeräten angegriffen werden. Folgenreicher ist die Disruption durch das Jenseits dort, wo Arbeiter wie Tok und andere Marginalisierte oder gar Ermordete posthum für ihre Rechte einzutreten versuchen. Für die Führungsklasse ist das kein akzeptabler Status quo. Zu ihnen gehört nicht nur Marchs Familie, sondern vor allem eine Riege von Ministern und Generälen, die allesamt von Aktivisten, Ermordeten und allen anderen Existenzen heimgesucht werden, denen sie Unrecht getan haben.
Kampf den Gespenstern
Ihre „Lösung“ setzt an der Schwachstelle der Jenseitigen an: Die Phantome kommen nur dann ins Leben zurück, wenn sie Vergeltung suchen oder ihre Geliebten nicht vergessen können. Nur wenn sie selbst vergessen werden, verschwinden sie aus der Welt der Lebenden. Die Arbeiter:innen werden deshalb bald unter Drogen gesetzt; in ihren Träume tauchen nicht die Geister derjenigen auf, die sie lieben, sondern feindselige Wesen, die ihnen übel mitspielen. Und wer trotzdem noch an seinen Erinnerungen festhält, bekommt sie per Elektroschock-Therapie ausgetrieben.
Jene Geister, die die erbarmungslosen Maßnahmen der Mächtigen unterstützen, finden bald genug Akzeptanz, um in ihren ehemaligen Körpern wieder auftreten zu können. Für den Film markiert das den Übergang von der spielerisch-albernen Gelöstheit zur konzentrierteren, nicht allzu bissigen, aber sichtbar weniger „beseelten“ Erzählung. Der Film treibt sich gewissermaßen selbst die Farbe aus, indem er ein wenig zu sehr auf der politischen Stoßrichtung seiner ansonsten wunderbar breit gefächerten Palette beharrt. Ins Leben zurückzukehren ist ein Akt des Protestes; als Akt der Liebe aber ist er doch um einiges schöner.









