Vorstellungen
Filmkritik
Zum Einstieg ist man in einem US-amerikanischen Gefängnis, und damit am Ende des kurzen, repetitiven Krimi-Märchens mit dem Titel „How to Make a Killing - Todsicheres Erbe“. Das handelt in Rückblenden von einem Mann namens Becket Redfellow (Glen Powell), die sich über die ganze Länge des Films erstrecken. Becket spricht aus der Todeszelle heraus, denn er ist ein Mörder, der erwischt und verurteilt wurde. Das Wissen, dass diese Hauptfigur bei ihren Taten versagt hat, macht die Spannung nicht größer. Offensichtlich war er nicht raffiniert genug, um mit Mord davonzukommen. Wenngleich die Dinge bei Becket etwas anders liegen. Es ist nicht bloß ein einzelner Mord, von dem er redet, es sind massenhafte Morde. Redfellow blieb als für eine Weile durchaus unentdeckt.
Laut und unverschämt
Man erfährt sofort, wer die Opfer sind und warum sie sterben mussten. Die Langeweile, die während des Films gelegentlich aufkommt, ist zum Teil auch diesem Vorauswissen geschuldet. Regisseur John Patton Ford verkauft den Weg als Ziel; man weiß, dass Becket seine Opfer sukzessive töten wird, und man sieht ihm dabei zu. Wobei die Morde nicht von großer Raffinesse zeugen; spektakulärer sind vor allem die Personen, die es trifft: beinahe ausnahmslos unangenehme Menschen. Bei ihnen handelt es sich um Beckets Verwandte, die alle zur Upper Class gehören, welche laut und unverschämt durch New York tingelt. Ihre Selbstgefälligkeit ist deutlich weniger kultiviert als die der Upper Class in „Adel verpflichtet“ (1949), der britischen Vorlage, die der Film recht identisch übernimmt.
Das schlechte Benehmen der Verwandtschaft wird durch den Tod bestraft. Mit dieser erzieherischen Konsequenz arbeitet der Film über weite Strecken. Der Grund für ihre Ermordung ist allerdings ein anderer: Die Verwandten müssen sterben, damit Becket als unehelicher Enkel dieser obszön reichen Familie ans Erbe kommt. Das steht ihm erst zu, sobald er der letzte lebende Redfellow ist. Er malt sich einen Stammbaum und arbeitet ihn ab, von den gleichaltrigen Cousins über die Generation der Eltern, Onkel und Tanten bis zum Großvater. Man verliert leicht den Überblick, sechs oder sieben Tote sind es, die er in die Redfellow-Familiengruft befördert. Parallel hört man seine triste Lebensgeschichte, die primär ein Thema hat: dass er vom Reichtum der anderen ausgeschlossen ist.
Kapitalismus als Familienforschung
So erzählt der Film vom Kapitalismus im Rahmen einer Familienforschung. Die Charaktere schillern, sie wirken überzeichnet, obwohl sie es wahrscheinlich gar nicht sind. Sie sind vor allem Klischees; es gibt den Playboy, den Sektierer, die Wohltäterin, und natürlich etliche Arbeiter im Finanzbusiness. Aber trotz ihrer unterschiedlichen Fassaden ist klar: Bei den Auswirkungen des Reichtums hört der Unterschied auf. Die Figuren bezeugen den Zusammenhang von Geld und Moral, oder genauer: von viel Geld und der damit einhergehenden Verachtung für Moral.
Wobei das große Worte sind angesichts von Figuren, die bis zum richtig interessanten Bösen gar nicht vordringen. Da will der Film auch nicht hin; er möchte niemanden erschrecken und auch kein Thriller sein, sondern eher eine gefällige Komödie über mittelmäßig inspirierte Todesfälle. Die sind dementsprechend weder amateurhaft blutig noch hintergründig durchdacht; der Film hält sich ans Überschaubare wie Vergiften, Explodieren, Sabotage von Transportmitteln; der Tod kommt schnell und außerhalb des Bildes.
Die Anmutung eines Lehrstücks
Als Kommentar gibt es im Off die Selbstreflexion Beckets zwischen Rachegedanken und Rechtfertigung. Manchmal überlegt er immerhin, ob das Geld, das er legal verdient, oder die Liebe, die er während der Morde gefunden hat, für sein Leben nicht besser wären als der Familienstress. Die Inszenierung zielt auf Satire, doch das klappt nur mäßig; zeitweise besitzt der Film eher die Anmutung eines Lehrstücks. Der Film kann sich nicht entschließen, die Morde, die er vergnüglich schildern will, tatsächlich vergnüglich zu finden. Das macht die Geschichte etwas mühsam. Dagegen kann auch Ed Harris in einer Nebenrolle nichts unternehmen, und Glen Powell als Protagonist hat nur ein stetes Lächeln anzubieten. Das ist charmant, springt aber nicht über.


