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Filmkritik
„Is this thing on?“, sagt man auf Englisch in vielen Situationen, etwa wenn man sich erkundigt, ob ein Gerät angeschaltet sei. Dabei könnte es sich um einen Kühlschrank, einen Fernseher oder eine elektrische Zahnbürste, aber auch um ein Mikrofon handeln. Letzteres spielt in dem titelgleichen Drama von Bradley Cooper im Laufe der Handlung eine wichtige Rolle. „Is this thing on?“, fragt man aber auch, wenn es darum geht, ob etwas (noch) am Laufen ist, etwa eine Beziehung. Nicht zuletzt spricht man auch von On- und Off-Beziehungen. Um eine auslaufende und dann wieder aufflammende Beziehung geht es auch in diesem Film, der von einem US-amerikanischen Paar in der Krise erzählt.
Spontan am Mikro
Alex (Will Arnett) und Tess (Laura Dern) waren 26 Jahre lang zusammen, 20 davon verheiratet. Eigentlich haben sie sich freundschaftlich getrennt. Während Tess mit den beiden Söhnen weiter im Haus in den Suburbs lebt, hat Alex sich in New York City eine Wohnung gemietet. Sie ist eine Junggesellenbude, aber groß genug, um die Kinder zu beherbergen, wenn sie am Wochenende zu Besuch kommen. Alex versucht, mit dem Alleinsein klarzukommen; Tess dagegen analysiert ihre Gefühlslage in langen Telefongesprächen mit ihrer besten Freundin Christine (Andra Day). Eines Abends nimmt Alex spontan an einem „Open Mic“-Event in einem Club teil. Eigentlich hatte er nur um den Eintritt herumkommen wollen; wer sich vors Mikro traut, darf kostenlos hinein. Also improvisiert er auf der Bühne der nichtprofessionellen Stand-up-Comedians und redet über seine zerbrechende Ehe. Er erntet einige Lacher und stellt fest, dass ihm das Auftreten Spaß macht.
Immer wieder kehrt er in der Folge in den Club zurück, lernt andere Hobby-Comedians kennen und beginnt, sich in dem Milieu zunehmend wohler zu fühlen. Nachdem Tess, die mit einem Kollegen in diesem Club zufällig essen geht, Zeugin eines seiner Auftritte wurde, stellt sie ihn zur Rede. Sie war die einzige im Freundes- und Familienkreis, die nichts von seinen öffentlichen Darbietungen wusste. Die beiden streiten, versöhnen sich dann und haben anschließend sogar Sex miteinander. Der fragile Status quo, den die beiden sich erarbeitet hatten, gerät fortan durcheinander. Auch bei einer Feier mit Freunden im Haus von Christine und Balls (Bradley Cooper), ihrem Ehemann und Alex’ bestem Freund, verbringen die beiden die Nacht miteinander. Doch ihre Probleme sind damit nicht ausgestanden.
Unglücklich in der Ehe, aber nicht mit der Ehe
So werfen sich die beiden Noch-Eheleute ständig (verbal) den Ball zu. Mal fangen sie ihn auf, mal lassen sie ihn fallen. Es ist ein ständiges Hin und Her zwischen Pragmatismus – die Kinder sollen von den Befindlichkeiten der Eltern verschont werden – und lange schwelenden Konflikten. Gegenseitige Vorwürfe flammen wieder auf. Tess, die gerade beruflich als Volleyballtrainerin der US-Frauennationalmannschaft wieder Fuß fasst, wirft Alex vor, nicht genug auf ihre Bedürfnisse gehört zu haben. Alex, der Finanzmann und Neu-Comedian, erwidert, dass er unglücklich in der Ehe, aber nicht mit der Ehe gewesen sei.
Während die beiden mit ihren Problemen genug zu tun haben, fühlt sich ihr Umfeld zusätzlich bemüßigt, ihre Situation zu erfragen oder schlaue Ratschläge zu erteilen. Alle geben ihren Senf dazu, darunter Alex’ Eltern und die Freunde, fragen nach, spekulieren und interpretieren. Die Beziehung steht in der Öffentlichkeit. Seitensprünge, Dates und ob sich daraus etwas entwickelt, werden Gegenstand langer Debatten. Dass Alex durch seine Monologe vor dem Mikrofon daran nicht ganz unschuldig ist, versteht sich von selbst. Doch es ist seine Art, die Situation zu reflektieren, auch wenn das vor einigen Dutzend Menschen stattfindet. Gleichzeitig gelingt es ihm aber auch, sich dadurch zu artikulieren und die (männliche) Haltung, keine Emotionen zuzulassen, zu überwinden.
Wie sich Gefühle über die Jahre entwickeln
So erweist sich „Is this thing on?“ als eine filmische Betrachtung von Langzeitbeziehungen und darüber, ob sich Familie und Job vereinbaren und Gefühle, die sich über die Jahre entwickelt haben, verändern lassen – oder auch nicht. Eingebettet ist das ins Milieu der Upper Middle Class, wo Geld – trotz der noch nicht abgezahlten Raten fürs Haus – eine untergeordnete Rolle spielt. Alex kann sich ohne Weiteres ein Apartment in New York City leisten; am Arbeitsplatz sieht man ihn nie. Die Metropole erscheint auf der Leinwand auch nur flüchtig: Meist sind es dunkle Straßen oder Interieurs wie der Comedy Club oder Restaurants. Viel findet in den typisch US-amerikanischen Vororten statt. Dort fungiert das Haus mit Garten als Treffpunkt von Familie und Freunden, als Ort von Familienfeiern und Trubel, aber auch von Klatsch und Tratsch.
Dementsprechend redselig gestaltet sich der Film, was ihn mitunter statisch macht. Die Story, die Bradley Cooper unter anderem mit dem Hauptdarsteller Will Arnett zusammen geschrieben hat, orientiert sich am Leben des englischen Komikers John Bishop. Der Filmemacher versucht, die Konstellation, die nicht allzu viel Handlung zulässt, durch eine dynamische Regie mit viel Musik und kontrastierenden Schnitten aufzupeppen. Doch das ist dem Sujet eher abträglich und wirkt aufgesetzt. Zwischendurch gibt es ein paar komische Momente, wenn Alex seinen Kindern mit einem neuen Auto imponieren will – was ihm gelingt, auch wenn er die Noch-Ehefrau damit eher verärgert.
Nicht automatisch die große Freiheit
Andere raten ihm, sich in seiner Midlife-Crisis doch eher ein Motorrad zuzulegen, und spekulieren, ob er die Stand-up-Comedy betreibe, um Frauen aufzureißen. Dass auf eine Trennung allerdings nicht automatisch ungehemmtes neues Daten, sprich: die große Freiheit, folgt, zeigt der Film anschaulich. Lange Jahre des Zusammenseins vereinen durch gemeinsame Erinnerungen, Objekte und Familiengeschichte. Dadurch entsteht eine Vertrautheit, die auch Konflikte nie ganz auslöschen können. Am Ende von „Is this thing on?“ ertönt der Song „Under Pressure“, jedoch in einem Kontext, der die Aussage des Liedes konterkariert und Hoffnung aufscheinen lässt.










