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Filmkritik
Der Bernhardinerhund Barry wurde 1800 im Hospiz auf dem Alpenpass Großer Sankt Bernhard geboren. Bis zu seinem Tod vierzehn Jahre später rettete er über vierzig Personen das Leben. Er gilt als bekanntester Rettungshund der Schweiz. Seine Geschichte wird immer wieder neu erzählt, oft in Kinder- und Jugendbüchern, manchmal ergänzt um Versatzstücke von Sagen und Legenden. Obwohl nicht ganz so bekannt wie Johanna Spyris mehrfach verfilmte „Heidi“-Bücher oder die Sage um Wilhelm Tell, verkörpern Barry und die Bernhardinerhunde ein Stück Schweizer Kulturgeschichte. Im Naturhistorischen Museum Bern ist ein unmittelbar nach Barrys Tod 1814 erstelltes und (inzwischen mehrfach restauriertes) Original-Barry-Präparat zu besichtigen. In Martigny verspricht der Themenpark „Barryland", in die Welt der Bernhardinerhunde eintauchen zu lassen. Und im Hospiz des Großen Sankt Bernhard sind noch heute – allerdings nur von Juni bis September – Nachkommen von Barry anzutreffen.
Zu Napoleons Zeiten
Hunde wurden von Chorherren des Augustinerordens, die das Hospiz im 11. Jahrhundert gründeten und seither betreiben, seit dem 17. Jahrhundert gehalten. Man setzte die Vierbeiner ursprünglich als Lastenträger sowie als Suchhunde für verirrte Reisende ein. Über die Schweiz hinaus wurden sie durch mündliche Berichte von französischen Soldaten bekannt, die 1800 den Pass überquerten. In dieser Zeit spielt auch „Mein Freund Barry“ von Markus Welter. Es ist ein Familienfilm, dessen Handlung sich an historischen Fakten orientiert, auch wenn die Story erfunden ist. Im Zentrum stehen der titelgebende Hund und ein zwölfjähriger Junge namens Georg (Paco von Wyss), der kurz vor Wintereinbruch mit seinem älteren Bruder Alfons über den Pass nach Italien gelangen will. Die beiden Jungen stammen aus dem Emmental. Der Hof ihrer Familie ist zerstört, die Eltern sind tot. In Italien wollen sie als Knecht arbeiten oder sich als Söldner verdingen. Auf dem Weg über die Alpen träumen sie von Sonne, Meer und Moneten.
Der frühe Wintereinbruch macht ihnen einen Strich durch die Rechnung. Kurz bevor sie das Hospiz erreichen, geraten sie mit anderen Passgängern in einen heftigen Schneesturm. Während Alfons am nächsten Morgen mit den Säumern im Sturm weiterzieht, lässt er den von der Wanderung erschöpften Georg unter der Obhut der Chorherren im Hospiz zurück. Kaum wieder auf den Beinen, will Georg seinem Bruder hinterher. Doch das ist im tiefen Winter nicht möglich. Und so bleibt Georg nichts anderes übrig, als im Hospiz auf den Frühling zu warten.
Die Bernhardinerhunde ziehen ihn magisch an
Um Kost und Logis zu begleichen, soll er in der Küche mitanpacken. Das ist nicht unbedingt das, wovon der aufgeweckte Bauernbub träumt. Er ist mit Natur und Wetter vertraut und versteht es, auf Tiere einzugehen. Die im Hospiz lebenden Bernhardinerhunde ziehen ihn magisch an. Zudem machen ihm die nur wenigen Jahre älteren Novizen zu schaffen. Sie stammen meist aus gutem Hause, schauen auf den „stinkenden“ Bauernbuben herab und lassen ihn unmissverständlich spüren, dass sie ihn nicht mögen.
Doch Georg trifft im Hospiz auch auf ihm freundlich gesinnte Menschen. Auch Bruder Pietro, der der Küche vorsteht, hat viel Verständnis für ihn und manchmal auch einen guten Rat. Den Hundeführer Julien, der bald schon merkt, wie erfahren Georg im Umgang mit Hunden und anderen Tieren ist. Und vor allem Resi, die Tochter von Julien. Sie ist ungefähr gleichalt wie Georg, fühlt sich im Hospiz als einziges Mädchen aber recht einsam und findet in Georg einen Freund. Sein Herz schenkt Georg aber nicht Resi, sondern einem blutjungen Bernhardinerwelpen, von dem alle sagen, dass er sterben werde, weil er sich im Rudel seiner Geschwister nicht durchzusetzen vermag, um bei der Mutter zu säugen.
Georg „entführt“ den Welpen. Er versteckt ihn in der kleinen Abstellkammer, die man ihm als Schlafstätte zugewiesen hat, und erhält von Bruder Pietro Milch zugesteckt, um den Welpen aufzuziehen. Auf Dauer aber kann Georg Barry nicht versteckt halten. Doch der Junge kann sein eigenmächtiges Handeln vor dem Prior begründen. Und weil Resi, die später Ärztin werden möchte, ihm mit Hilfe eines aus der Schulbibliothek entwendeten Buches das Lesen beigebracht hat, soll Georg fortan zusammen mit den Novizen die Schulbank drücken. Zudem muss er nicht mehr in der Küche arbeiten, sondern kann Julien bei den Hunden zur Hand gehen.
Ein tüchtiger Rettungshund
In der Folge weitet sich „Mein Freund Barry“ zu einem abenteuerlichen und spannenden Coming-of-Age-Film. Lawinen, Suchaktionen mit Hunden, ein Wolf und das immer mal wieder eskalierende Verhältnis zwischen den Novizen und Georg sorgen für viel Aufregung. Georg versteht es, seine eigene Haut immer wieder clever zu retten, erzieht Barry zu einem tüchtigen Rettungshund und steht letztlich wie sein tierischer Begleiter als Held da.
Da die Außenaufnahmen zu großen Teilen in den Schweizer Alpen gedreht wurden, verwöhnt „Mein Freund Barry“ mit eindrücklichen Panoramaaufnahmen winterlich verschneiter Berglandschaften. Viel Sorgfalt wurde auch auf historisch adäquate Kleidung, Räume und Ausstattung gelegt. Die Erzählung von „Mein Freund Barry“ fokussiert dabei auf das Erleben des von Paco von Wyss mit viel Herz und einnehmend gespielten Georg.
Immer wieder gehen Lawinen nieder
Der Film verliert aber auch das Weltgeschehen nicht aus den Augen. Hin und wieder geht eine Lawine nieder, und man rettet Verschüttete. Einmal tauchen mit einem Trupp Soldaten der Vater und die Schwester eines Novizen im Hospiz auf, und irgendwann erhält Georg sogar einen Brief von seinem Bruder, der als Söldner auf den Beginn einer Schlacht wartet.
Das ist alles kindgerecht und leicht verständlich erzählt. Etliche Erwachsenenrollen sind namhaft besetzt. So spielt Ulrich Tukur den Prior, Max Hubacher gibt den für den Schulunterricht der Novizen zuständigen Bruder Benedict, und Carlos Leal spielt den reichen Kaufmann Wydler. Etwas irritierend ist, dass Barry nicht immer gleich aussieht. Bei den Dreharbeiten sind insgesamt zwölf verschiedene Bernhardinerhunde in seine Rolle geschlüpft.










