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Pillion

107 minDrama, Komödie, LovestoryFSK 16
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Als der schüchterne Colin in einer Bar auf den charismatischen Ray trifft, ist es sofort um ihn geschehen. Dass der attraktive Biker ausgerechnet ihn zu seinem neuen Gefährten erwählt, kann er kaum fassen. Ray fordert absolute Unterwerfung, zu der Colin nur allzu gern bereit ist. Er putzt, kocht, kauft ein und schläft anstandslos auf dem Bettvorleger. Im Gegenzug öffnet ihm Ray die Tür zu einer aufregenden Welt wilder Abenteuer und sexueller Ekstase. Während sich seine Eltern zunehmend Sorgen machen, genießt Colin sein neues Leben in vollen Zügen. Doch langsam erwacht in ihm eine leise Sehnsucht nach etwas, das Ray ihm vielleicht niemals geben kann. Alexander Skarsgård und Harry-Potter-Star Harry Melling brillieren in Harry Lightons überraschend sensibler DomCom mit einer herausragenden Performance voller Humor, Zärtlichkeit und emotionaler Tiefe.
Alexander Skarsgård und Harry-Potter-Star Harry Melling brillieren in Harry Lightons überraschend sensibler DomCom mit einer herausragenden Performance voller Humor, Zärtlichkeit und emotionaler Tiefe. PILLION basiert auf der preisgekrönten Romanvorlage „Box Hill“ und feierte seine umjubelte Weltpremiere bei den Filmfestspielen von Cannes, wo er den Drehbuchpreis in der Sektion „Un Certain Regard“ erhielt.

Ray (Alexander Skarsgård) ist die erste Liebe von Colin (Harry Melling). Ray ist groß, kräftig gebaut, eindrucksvoll schön. Ein wortkarger, auf anziehende Weise enigmatischer Mensch. Colin ist – was eigentlich? Das ist eine Frage, die der Parkwächter für sich selbst noch nicht beantwortet hat. Wer er ist, wer er sein möchte und wer er sein kann, gilt es erst noch herauszufinden.

Date an Heiligabend

Offen homosexuell ist Colin noch nicht lange, wie es scheint. Seine Eltern, bei denen er noch wohnt, unterstützen ihn. Doch die todkranke Mutter ist trotz all ihrer Bemühungen ein Hindernis für Colins Selbstverwirklichung. Bis Colin auf Ray trifft. Es ist Weihnachtszeit. Colin und seine Gesangsgruppe singen. Er sammelt anschließend die Spenden ein. Alle geben. Nur der Mann im Motorradanzug hebt nicht einmal das Haupt, als Colin an seinen Tisch kommt. Später, als beide an der Bar stehen, lässt er Colin sein Kleingeld zählen, um seine Bestellung zu bezahlen. Ray braucht keine Worte, Colin keine Aufforderung. Es ist eine Dynamik, die sich kurz darauf fortsetzt – beim Sex und in der Beziehung. Ray lädt zum Date – an Heiligabend, in einer dunklen Gasse.

Es braucht nicht viel, um in der Beziehung zwischen den beiden den devoten und den dominanten Part zu erkennen. Kaum zwei Sätze wechseln die Männer miteinander, bevor Colin Ray oral befriedigt und später seine Stiefel leckt – sichtbar überfordert und doch sichtlich beglückt. Colin holt bereits beim ersten Date einige Jahre des Herantastens auf. Die Mutter, die längst nicht so weit ist, erkundigt sich im Anschluss: „Habt ihr euch geküsst?“ Colin hat seinen Platz in seiner Beziehung zu Ray gefunden. Er steht nicht neben Ray, er steht unter ihm, einvernehmlich und vielleicht sogar glücklich. Ganz sicher kann er sich noch nicht sein, dazu kennt er die Beziehungsdynamik und sich selbst eben doch nicht gut genug.

Eine devot-dominante Beziehung

Harry Melling und Alexander Skarsgård geben ein fantastisches Leinwand-Paar ab; sie finden immer wieder das Leben zwischen den dramatischen Fixpunkten der Beziehung. Die quasi jungfräuliche Perspektive des devoten Colin ist der wichtigste Fixpunkte, und auch das, was den Reiz von „Pillion“ ausmacht. Colin ist Ray ausgesetzt; ist freudig erregt, erwartungsvoll und zugleich völlig ahnungslos, was der dominante Beziehungspartner von ihm fordert und ihm geben möchte. Regisseur Harry Lighton entwickelt das Faszinosum der dominant-devoten Beziehung und den dazugehörigen Nervenkitzel. In erster Linie geht es dabei um Intimität. Aus Rays Perspektive ist die Intimität zunächst Synonym für Sex. Entsprechend gierig starrt ihn die Kamera an, sieht wieder und wieder dabei zu, wie das Licht über das Leder seiner Motorradjacke streichelt. Ray nimmt den unerfahrenen Colin beim Sex an die Hand und zeigt ihm all seine Formen: verspielt, hart, zärtlich, allein, gemeinsam, in der Gruppe. Sanft werden Grenzen überschritten und verschoben, bis sich die Dynamik vom ängstlichen Verlangen (von Seiten Colins) zur Angst vor Intimität (von Seiten Rays) verlagert. Denn dominant-devote Beziehungen basieren nicht nur beim Sex auf Vertrauen.

Wo die Beziehung beständiger wird, Colin sich in ihr oder schlicht sich selbst findet, eigene Bedürfnisse einbringt und äußert, ist es Ray, der an seine Grenzen kommt. Beim gemeinsamen Essen mit Colins Eltern wirkt er noch souverän, beim „freien Tag“ an der Seite des eigentlich devoten Partners plötzlich ungewohnt gelöst. Ein gefährlicher Zustand. Es gehe nicht um Liebe, sagt Ray einmal, als Colin mehr Nähe und einen Platz im und nicht vor Rays Bett fordert. Aber geht es nicht immer um die Liebe?

Belohnung & Strafe

„Pillion“ wächst nie über diese Frage hinaus, ist aber sehr gut darin, sie lebendig werden zu lassen. Liebe und Sex sind fragil, aber nie mit dramatischer Last behangen. Lighton weiß immer wieder zu überraschen, wenn er den Humor dort vermeidet, wo er allzu obligatorisch erscheinen würde. Das Abendessen mit Ray und Colins Eltern sucht keine gängige Ausflucht durch erheiternde Momente, sondern geht in unangenehmer, nicht auszuhaltender Direktheit zu Ende. Dafür gibt es Humor dort, wo man ihn nicht vermutet hätte. Als Colin zaghaft eine Belohnung für seine Dienste fordert, erhält er stattdessen etwas, das sowohl Belohnung als auch Strafe ist: einen Ringkampf im eigenen Wohnzimmer. Das ist für Colin schmerzhaft, aber auch und vor allem: erregend.

Veröffentlicht auf filmdienst.dePillionVon: Karsten Munt (14.4.2026)
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