Vorstellungen
Filmkritik
Das Tal, in dem die Insekten leben, ist zu einer Wüstenlandschaft verkommen. Der Bach ist ausgetrocknet; nichts blüht mehr, alles verdurstet. Der Rettungstrupp der Ameisen um Captain Pantz will herausfinden, wohin das Wasser verschwunden ist, das einst durchs Tal floss und buntes Leben ermöglichte. Zum Rettungstrupp gehören auch die Auszubildenden Arnie und Barney. Da sie nicht die Hellsten sind, werden sie von ihrem Ausbilder aus dem Trupp genommen. Dafür sollen sie „das Loch des unendlichen Mysteriums“ bewachen. Das Duo verkennt seine Degradierung und interpretiert seinen Auftrag als Aufforderung, sich eigenmächtig auf die Suche nach dem Wasser zu begeben.
„Dummheit ist ihre Superkraft“ – so beschreibt der Animationsfilm für Kinder die beiden tollpatschigen Anti-Helden, die hier auf ein turbulentes Abenteuer geschickt werden. Die beiden Nebenfiguren aus dem Biene-Maja-Universum erhalten in diesem Spin-off ihren großen Auftritt und beweisen, dass man auch mit wenig Köpfchen, aber viel Fantasie und Eifer ans Ziel gelangen kann.
Bei ihrer Odyssee durch das Kleintier-Universum bekommen es die Junior-Ameisen mit der verschlagenen Mücke Hypnita zu tun. Mit ihrem eindringlichen Blick hypnotisiert sie die Ameisentruppe und lenkt sie von ihrer Mission ab. Arnie und Barney, die abseits agieren, stört das nicht. Sie haben sich mit der Mücke SzzKeat zusammengetan, die sie als Superheldin eines Comics kennen. De facto heißt sie Bertha und ist die Autorin der Comic-Hefte. Doch sie wächst ebenso über sich hinaus wie Arnie und Barney.
Was hinter dem Wasser-Diebstahl steckt
Gemeinsam kommen sie dem Geheimnis des verschwundenen Wassers durch eine Aneinanderreihung von Un- und Zufällen auf die Spur. Ein habgieriger Tausendfüßler namens Legs hat das Wasser in einem ausgeklügelten Rohrleitungssystem abgezweigt, um es den Insekten gegen viel Geld in abgefüllten Flaschen zu verkaufen. Hypnita ist nur seine ungewollte Handlangerin – sie wird von ihm erpresst. Doch gegen die geballte Einfalt von Arnie und Barney sind weder Kräuter noch Zauberkräfte gewachsen.
Der von Sean Heuston inszenierte und von Fin Edquist geschriebene Film bemüht sich redlich, die beiden jungen Ameisen sympathisch erscheinen zu lassen. Dazu trägt die Animation viel bei. Wenn die beiden sich auf ihre Hinterbeine stellen und zum Gestikulieren noch vier Beine übrig haben, wirkt das putzig. Auch die weit aufgerissenen Augen und die beiden schiefen Zähne der Ameisen machen sie schon optisch zu rührenden Figuren. Allerdings ist der Film extrem wortlastig. Gegen Arnie und Barney wirkt der geschwätzige Esel aus „Shrek“ geradezu einsilbig. Auf Dauer ist das kontraproduktiv. Kinder werden dem Redeschwall der beiden inhaltlich kaum folgen können, und Erwachsene sich nach den deutlich spritzigeren Dialogen aus dem DreamWorks- und Pixar-Universum sehnen.
Mit Optimismus zum Ziel
Natürlich versuchen die Macher auch hier, dem doppelten Zielpublikum – Kindern und ihren erwachsenen Begleitern – gerecht zu werden. Popkulturelle Zitate sollen die älteren Zuschauer bei Laune halten. So hat Barney wie in „Full Metal Jacket“ ein Friedenszeichen auf seinen Helm gemalt, und bei Arnie prangt hübsch verquer die unsinnige Gleichung „E2 = mc“ auf dem Helm. Eine Anspielung auf die Mondlandung hier und ein Hamlet-Zitat dort machen den bemüht originellen Zitate-Reigen aber nicht fett. Der Wahnsinn hat keine Methode, weil der Stoff dies nicht hergibt. Auch die Entscheidung für junge Influencer als Synchronsprecher oder musikalische Rap-Einlagen erscheint mehr aus Vermarktungsgründen denn künstlerischen Aspekten getroffen worden zu sein. Dass Bösewichte mit ausländischem Akzent sprechen, wirkt hingegen wie ein Relikt aus Enid-Blyton-Abenteuern.
Anzurechnen sind dem Film dagegen seine ökologische Agenda und seine kindgerecht vorgetragene Kritik am aggressiven Kapitalismus. Das Insektenuniversum bietet eine Vielzahl an fliegenden und krabbelnden Protagonist:innen – sogar Maja und Willi tauchen kurz auf. Dass es sich bei den beiden Protagonisten um liebenswerte Tölpel handelt, die aufgrund ihres grenzenlosen Optimismus trotzdem ans Ziel gelangen, ist nicht die schlechteste Message eines Animationsfilms für Jung und Alt.








