Emil und die Detektive









- Veröffentlichung24.09.2026
- RegieDavid Dietl
- ProduktionDeutschland (2026)
- GretaUntertitel, Audiodeskription, Tonverstärkung
- Cast
- Empfehlung der Jugendfilmjuryab 8
Vorstellungen
Filmkritik
Anscheinend ist es einfacher, in einer Millionenstadt wie Berlin Freunde zu finden als in der Provinz. Zumindest geht es Emil Tischbein (Nicholas Jonah Peter) so. Der 12-Jährige darf in seiner eintönigen Kleinstadt nicht Teil der coolen Clique sein, weil er kein Handy hat. Außerdem gerät er in Schwierigkeiten, als er bei einer Mutprobe einen Böller in einem Bagger deponiert, der den Spielplatz des Ortes plattmachen soll. Da er glaubt, nun umgehend verhaftet zu werden, insistiert er bei seiner Mutter, allein nach Berlin zur Oma fahren zu dürfen. Denn Mutter Anna (Luise Heyer) muss wegen eines Wasserschadens in ihrem Frisiersalon zu Hause bleiben.
Schlafmittel in Form von Gummibärchen
Also kommt Emil auch in dieser neuen Verfilmung von Erich Kästners Kinderbuchklassiker eine große Verantwortung zu: Er muss über 1000 Euro in Scheinen sicher nach Berlin transportieren – für die Oma. Dass diese damit ausgerechnet ein Handy erstehen soll, findet Emil ungerecht. Doch da die Oma (Ursula Werner) schon gebrechlich ist und gelegentlich fällt, ist ein Handy für sie überlebenswichtig. Wie der Zufall es will, gerät der gutmütige und naive Junge im Zugabteil an den Betrüger Max Grundeis (Merlin Sandmeyer). Dieser macht Emil mit einem Schlafmittel in Form von Gummibärchen gefechtsunfähig und entfleucht mit dem Geld.
Am Berliner Hauptbahnhof angekommen, verfolgt Emil den Dieb. Dabei übersieht er Omas junge Nachbarin Pony Hütchen (Lara Toni Lüdders), die ihn abholen sollte. Emil verfolgt Grundeis, und Pony läuft Emil hinterher, bis sie am Bahnhof Friedrichstraße aussteigen. Da Emil in der S-Bahn bereits Gustav (Kilian Kasa) kennengelernt hat, der ihn vor einem Kontrolleur gerettet hat, sind die Kinder bei ihrer Verbrecherjagd schon zu dritt. Aus Angst will Emil die Polizei nicht hinzuziehen. Bald stößt die kleine Millionärstochter Dienstag (Bela Luis Plass) zu der Dreierbande. Sie verfügt praktischerweise über die Kreditkarte ihrer Eltern und eine Limousine mit Fahrer. In der Luxuskarosse verfolgen die Kinder den Übeltäter vom Bezirk Mitte nach Lichtenberg, dann nach Neukölln. Mittlerweile ist die spontan zusammengewürfelte Kindergang noch um zwei Mitglieder gewachsen: Anh (Ai Vy Bui) und Jason (Camille Moltzen).
Die Kinder setzen auf digitale Überwachungsmittel
Zwischendurch entspannen die Kinder bei der Verbrecherjagd mit Pommes und Currywurst, fahren E-Roller oder baden in einem Spree-Pool. Den Übeltäter Grundeis verlieren sie dabei aber nicht aus den Augen, denn sie setzen auf digitale Überwachungsmittel: Mit dem Bluetooth-Signal von Dienstags kabellosen Airpods, welche die Kinderdetektive in der Tasche des Diebs deponiert haben, können sie ihn orten.
Die moderne Adaption der Kästner’schen Vorlage durch David Dietl setzt auf Tempo, Unterhaltung und versucht dabei, der heutigen Bevölkerungsstruktur Berlins sowie sozialen Problemen gerecht zu werden. Emil wächst seit dem Tod seines Vaters – eine Abweichung vom Buch – als Halbwaise auf, seine Mutter arbeitet als Friseurin. Viel Geld ist im Haushalt nicht vorhanden, dafür aber Liebe und Geborgenheit. Nur Emils Anschluss bei Gleichaltrigen will nicht so recht klappen. Die Kleinstadt wird als piefig, ereignisarm und als ein von übereifrigen, aber nicht sehr fähigen Polizisten bevölkerter Ort dargestellt. Dementsprechend groß, laut, abenteuerlich und voller Möglichkeiten präsentiert sich dagegen Berlin.
Schnell Freunde in der Metropole
Emil kommt erstaunlich gut in der Metropole zurecht und findet in der vorlauten Pony, dem findigen Gustav, der privilegierten Dienstag sowie der pfiffigen Anh und dem starken Jason schnell Freunde. Dass bei letzterem der Vorname Programm ist und er demnach als der kindliche Proll der Bande fungiert, ist nur eine der Überspitzungen und Inkonsequenzen des Films. In seinem Bemühen, die Bevölkerung Berlins demografisch und sozial vielfältig darzustellen, verfällt der Film nämlich trotzdem in Klischees. Gustav, der im Buch der berühmte „Gustav mit der Hupe“ ist, ist trotz seines Namens türkischer oder arabischer Herkunft und in Neukölln zu Hause. Die vietnamesisch-stämmige Anh gabelt die Bande in einem Großmarkt in Lichtenberg auf. Immerhin münzt sie im Film die Diskriminierung, die sie offenbar erfährt, spielerisch um. Am Telefon spricht sie mit starkem vietnamesischem Akzent, bedient so Vorurteile und zieht daraus einen Vorteil, da sie dadurch für die Kindergang an Informationen gelangt.
Ansonsten werden die erheblichen sozialen Gegensätze innerhalb der Bande nicht weiter thematisiert. Die Kinder finden es normal, in Dienstags Limousine herumkutschiert zu werden und können sich dank der Kreditkarte der kleinen Millionenerbin auch für die Diebesjagd ausrüsten: mit Klamotten, die der Tarnung dienen, mit weiteren Fortbewegungsmitteln sowie Proviant. Die Limousine dient allerdings auch als Legitimation dafür, dass die beträchtlichen Distanzen innerhalb der Hauptstadt problemlos überwunden werden können.
Kaum Hindernisse für die Juniordetektive
So läuft alles ein wenig zu reibungslos in diesem Film. Auf Hindernisse, an denen Kinder sonst oft scheitern, stoßen die sechs Juniordetektive kaum. Stattdessen wird künstlich Spannung erzeugt, wenn Emil an einer Fassade im zweiten Stock gefährliche Kletteraktionen vollführen muss. Für ein Werk, das sich ansonsten sehr um Korrektheit bemüht, ist das in seiner Aussage aber eher kontraproduktiv. Immerhin chargiert Merlin Sandmeyer als Bösewicht dafür umso mehr und sorgt für manch komische Momente. Dass er zudem als skrupelloser Immobilienbetrüger sein Unwesen treibt, zeugt dann allerdings wieder von dem Übereifer, mit dem dieser eher hektische und überladene Kinderfilm alles besonders richtig machen will.
Offenbar traut man dem jungen Zielpublikum keine lange Aufmerksamkeitsspanne zu. Also hetzen die jugendlichen Helden und Heldinnen durch den Film und wechseln im Eiltempo die Orte und ihre Garderobe. Gleichzeitig wird suggeriert, was für ein tolles Pflaster Berlin doch sei. Das mag ein Provinzjunge wie Emil so empfinden, doch echte Berlinerinnen und Berliner können da nur mit den Augen rollen. Ein kindliches Publikum von heute wird sich an dem Stil allerdings wohl kaum stören. Auch die Riege der Juniorschauspieler:innen macht ihre Sache gut und spielt sehr natürlich auf. Ein kleines bisschen Innehalten und mehr Kästner’scher Esprit hätten dem Film allerdings gutgetan.

