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Filmkritik
Jason Statham ist so fest mit dem Actionkino verwurzelt, dass man ihn selbst dort sofort erkennt, wo er nur für den Bruchteil einer Sekunde als Silhouette zu sehen ist. Ein Schatten, der kurz darauf mitsamt dem Transporter, den Statham steuert, mit Vollgas im Film einschlägt. Statham ist, so schreit es bereits aus der Eröffnungssequenz von „Mutiny“, auch nach mehr als dreißig Actionfilmen nicht müde geworden. Ein weiteres Mal ist es die Rache, die den von ihm verkörperten Ex-Elitesoldaten und Bodyguard Cole Reed antreibt. Sein Auftraggeber und Ersatzvater Tibu Campallo (Ramon Tikaram) wurde kurz nachdem er seine Reederei veräußert hatte, in den Straßen von Bangkok ermordet. Selbst Cole konnte ihn nicht aus dem Kugelhagel retten. Damit bleibt ihm nur die Rache an den Mördern und ihren Auftraggebern, die ihn ohne größere Umwege auf eines der Frachtschiffe seines Arbeitgebers führt.
Haptisches Kino ohne jegliche Polsterung
„Mutiny“ braucht nicht viel mehr als ein halbwegs plausibles Motiv und einen kurz angedeuteten Vaterkomplex, um Jason Statham als Cole Reed auf die Welt des internationalen Verbrechens loszulassen. Die dazugehörige Action ist schnörkelloses, haptisches Kino ohne jegliche Polsterung. Es ist eng zwischen den Containern, in den Korridoren und auf der Gangway des Frachters. Wer nicht bis an die Zähne bewaffnet ist, einen angegrauten Bart und den dazugehörigen Bizeps mit Gartenschlauch-dicken Adern vorweisen kann, findet hier keinen Platz. Selbst die Geflüchteten, die Cole gleich zu Beginn des Films befreit, werden schnellstmöglich in die Rettungsboote gesteckt.
Zeitgemäß scheint das ebenso wenig zu sein wie die Idee, dass ausgerechnet die US-Navy sich als rettende Kraft anbietet oder der ermordete Milliardär Tibu ein Logistik-Imperium mit reiner Weste aufbauen konnte. Andererseits ist der grimmige Pragmatismus, mit dem Stathams jeglichen Diskurs-Ballast überspringt, um sich daranzumachen, den Menschen in Not zu helfen, fast schon wieder progressiv.
Der Film von Jean-François Richet ist ein selten gewordener Ableger eines bodenständigen Mid-Budget-Action-Kinos und als ein solcher so konsequent wie kompetent. Konsequent in seiner Weigerung, die omnipräsenten Muskelprotze vor Greenscreens zu stellen, ihre Scharmützel mit Humor zu würzen oder auf sonstige Art vom Kurs ihrer zielgerichteten Gewalt abzuweichen. Kompetent ist er in der durchschlagkräftigen Inszenierung eben dieser Gewalt. Statham bringt auch mit fast 60 Jahren noch genug Fitness und Charisma mit ein, um mit finsteren Blicken und Nahkampf-Einlagen gleichermaßen zu überzeugen. Sein Widersacher Captain Marko Madsen (Roland Møller) geht kaum als Charakter durch, ist aber auch als reiner Antagonisten-Stuntkörper bedrohlich genug.
Eine Nische für die Nautik-Kundige
Neben der angegrauten Gesichtsbehaarung ist die einzige Alterserscheinung, die man im neuesten Statham-Actionfilm wahrzunehmen vermag, die niedrige Frequenz von Actionsequenzen. Viele Szenen innerhalb der schlanken 95-minütigen Laufzeit sind um das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Cole Reed, Captain Marko Madsen und der zwischen die Fronten geratenen, im Film aber gut platzierten dritten Offizierin Angie Ellis (Annabelle Wallis) gebaut. Sie ist nicht nur als Love-Interest gut eingebunden, sondern auch als Nautik-Kundige, die mit ihrer Findigkeit eine Nische inmitten des knochenbrecherischen Männerpersonals findet.
Mehr bietet „Mutiny“ nicht: keine „John Wick“-artige Opulenz, kein „Fast and Furious“-Camp, keine „Mad Max“-artige Presslufthammer-Eleganz und schon gar keine elegante Einbindung des recht dünnen thematischen Fundaments. Das Rachemotiv reicht gerade so als Aufhänger für die schlichte „Und dann …“-Dramaturgie. Das Familientrauma, das Cole Reed mit sich herumschleppt, kommt über einen Nebensatz kaum hinaus. Dies tut dem Programm des Films aber keinen Abbruch. Denn im Zweifel kann ein austrainierter Körper auch im Alter noch genug Lasten tragen.








