Vorstellungen
Filmkritik
Fußball war wohl mal ihr Leben. Doch im dritten Sequel der Reihe ist der Sport nicht mehr so wichtig. Wichtig ist es vielmehr, Erster zu sein. Auch in der Liebe. Doch zunächst muss die „Fußball“-Mannschaft „Die wilden Kerle“ die „Wölfe“ besiegen, eine in Lappen und Lumpen gehüllte Jugendgruppe, die sich in einem Wald eine Art Lotterburg zusammenkloppte und diese nun bewohnt. Ein Golden Goal später bleiben nur noch die „Silberlichten“ als Gegner, die jenseits eines Nebels leben und deren Kluft an arabische Nomaden gemahnt. Doch was auf dem Papier noch recht fantasievoll klingen mag, ist in der Ausführung so amateurhaft und seelenlos, dass es jeder Beschreibung spottet. Die Kinder sind nun Motocross-Fahrer in Lederklamotten, die sich unglaublich ernst nehmen und in dieser Welt ohne Erwachsene die herrschende Macht sind – nur um sich dabei wie Erwachsene mit mangelnder Erziehung zu gerieren. Das Hauptthema des Films ist ein Bruderzwist, der zwischen dem Anführer Leon und seinem Bruder Marlon entbrennt, als die noch namenlose Chefin der „Silberlichten“ durch ihre pure Anwesenheit den beiden Knaben die Köpfe verdreht. Von der ersten Liebe will dieser Film erzählen, und tatsächlich kreisen die Dialoge auch um Liebe und Verrat. Hochpathetisch werden ungelenke Sätze hervorgebracht, ohne dass die angesprochenen Emotionen in der Inszenierung ihren Widerhall finden würden. Marlon gibt der Unbekannten den Namen Horizon, „wie der Horizont und alles, was dahinter liegt“. Hochgreifende Worte, präsentiert doch die Darstellerin Anne Mühlmeier besagte junge Dame als Model-Mädchen, dem die Regie offensichtlich sagte, es sollte sich doch bitte wie eine Katze durch die Kulisse bewegen und dabei möglichst wenig sprechen – man hätte sie ebenso gut „Mystery“ nennen können. Wenn sie spricht, dann um ihr Gift zu versprühen. Dass Leon Horizon traf, reicht Marlon, um eine Schlägerei mit seinem Bruder zu beginnen. Hätte Leon ihm doch gesagt, was bei diesem Rendezvous passierte! Er stand mit dem Mädchen in voller Montur und in respektvollem Abstand bis zu den Knien in einem Teich (da Horizon scheinbar die spontane Lust überkam, im Nachthemd ins grünstichige Wasser zu waten?) – und das war auch schon die „leidenschaftlichste“ Szene im ganzen Film. Die Sterilität und Absurdität der Inszenierung einer ersten Liebe ist bemerkenswert. Das Aussparen jeder Körperlichkeit macht es jungen Zuschauern schwer, auch nur entfernt nachzuvollziehen, was irgendwie positiv an der Liebe sein soll: Man verfällt einem bösartigen Mädchen, hasst deswegen auf einmal seinen Bruder und verrät sein eigenes Team – und wozu das alles? Auch hat der Film merkwürdige pädagogische Vorstellungen davon, wie man mit Verlierern umgehen sollte: „Verräter“ und „Verlierer“ wird ihnen in Kreuzform über den ganzen Oberkörper tätowiert. Aber vielleicht ist diese Art der Strafe auch gerechtfertigt, wenn man ein Spiel ohne Regeln spielt, das nur noch wenig mit Fußball zu tun hat. Tricksen, Betrügen, sich unlautere Vorteile verschaffen: Regisseur und Drehbuchautor Joachim Masannek scheint ein Zyniker zu sein, der seine Sicht der Welt in diesen Film packt. Wäre der nicht so unbeholfen inszeniert, würde es sich lohnen, die darin zelebrierte Psychologie von Gewinnen und Verlieren genauer zu untersuchen. So kann man nur hoffen, dass der Film, der an eine Aufführung eines Schülertheaters erinnert und von jungen Modedesignern mitfinanziert zu sein scheint, auf breites Desinteresse der Zielgruppe stößt. Denn „Die wilden Kerle 4“ ist nicht nur untauglich als Kinderfilm, er ist ein Symbol für die Ideenarmut seines Erfinders, der offensichtlich große Mühe hatte, aus dem von ihm kreierten und außerordentlich ausgepressten Produkt „Die wilden Kerle“ noch einen vierten Film zu arrangieren. Sollte es zu weiteren Teilen kommen, ist die Gefahr groß, dass aus leidlich sympathischen Jugendlichen gänzlich ungenießbare „Halbstarke“ werden.







