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Filmkritik
Ob es einen zehnten Film nach den beliebten Romanen rund um den niederbayerischen Polizisten Franz Eberhofer geben würde, war nach „Rehragout-Rendezvous“ (2023) eher unwahrscheinlich. Rita Falk, die Autorin der Buchreihe, hatte sich mit deutlichen Worten von dem Film distanziert, dessen Drehbuch ihrer Meinung nach „ordinär“ und „platt“ gewesen sei. Weiteren Verfilmungen stand sie „sehr skeptisch“ gegenüber.
Wie an der Existenz von „Steckerlfischfiasko“ jetzt aber abzulesen ist, hat man sich wieder zusammengerauft. Und: Es hat sich gelohnt. Der Fall rund um den gewaltsamen Tod des „Steckerlfischkönigs“ Paulus hat alles, was die Filme über das Provinz-Panoptikum so vergnüglich macht. Das war nicht zwingend vorhersehbar, denn die Reihe zeichnet sich qualitativ durch ein gewisses Auf und Ab aus. „Steckerlfischfiasko“ zählt aber eindeutig zu den „Aufs“, weil er den speziellen Sound der Krimi-Saga aus dem unglamourösen Durchschnittsort Niederkaltenkirchen exakt trifft. Die Mischung aus Kriminalfall, Phlegma, bayerischer Wurstigkeit, Coolness und einer geradezu trotzigen Verweigerung gegenüber allem Neuen und Modernen ist ziemlich einzigartig und von bestechender Sympathie.
Das Ensemble ist grandios
Zum Leben erweckt wird dieser filmische Kosmos vom vertrauten Personal, vor wie hinter der Kamera. Regie führt seit Beginn der Reihe Ed Herzog; für das Drehbuch zeichnet zum achten Mal Stefan Betz (mit-)verantwortlich. Auch das schauspielerische Ensemble ist so stabil wie grandios. Im Zentrum steht sehr souverän Sebastian Bezzel als leicht lethargischer, höchst veränderungsunwilliger Dorfpolizist Franz Eberhofer. Lisa Maria Potthoff gibt schön ausbalanciert dessen ambitionierte, aber häufig am Beharrungsvermögen ihres (familiären) Umfeldes scheiternde Freundin Susi. Ihren Job im Rathaus möchte sie diesmal endgültig gegen das Amt der Bürgermeisterin eintauschen und steckt deshalb mitten im Wahlkampf.
Herausragend agiert zudem Simon Schwarz als bester Freund von Franz und Ex-Kollege Rudi Birkenberger, der diesem einmal mehr seine ermittlerische Unterstützung aufdrängt. Seine Finanznot hat sich mittlerweile zur Obdachlosigkeit gesteigert, was Rudi selbst allerdings als „Selbstversuch“ und Entsagung „vom Konsumwahnsinn“ zu verbrämen sucht. Dazu gesellt sich Franz’ Herkunftsfamilie: sein spießiger Bruder Leopold (Gerhard Wittmann), der Dauerrevoluzzer-Papa (Eisi Gulp) und die bauernschlaue Oma (Enzi Fuchs), ohne die im Hause Eberhofer so gar nichts laufen würde. Weil die alte Dame auf Kur geht, hat Leopold Julika (Lara Mandoki) engagiert – und verguckt sich prompt in die neue Haushaltshilfe. Eine zentrale Rolle spielen außerdem der halbseidene Dottinger-Großclan mit seinem Autoscooter-Imperium sowie die Tochter des Toten, Tessa (Ruby O. Fee), die bei Franz Beschützerinstinkte weckt.
Der Zeitgeist zieht in Niederkaltenkirchen ein
Es geht also auch im zehnten Eberhofer-Film um die bekannten Themen und Konfliktlinien: Alt gegen Neu, „Tradition“ gegen den „Fortschritt“, Freundschaft und Familie, die Ödnis und Verbohrtheit, aber auch die (zwischenmenschliche) Schönheit der Provinz. Der Zeitgeist hält unter anderem anhand des „Dealmakings“ auf dem Golfplatz und der Ballettstunden von Franz’ und Susis Sohn Paul Einzug in Niederkaltenkirchen – sowie der Frage, ob man zu denen gehört, die „immer noch zwischen männlich und weiblich“ unterscheiden. Der Kriminalfall wird gewohnt nebensächlich verhandelt, allerdings auch nicht gänzlich vernachlässigt, sondern stimmig ins Geschehen eingebunden. Erzählt wird das alles mithilfe der sorgfältig gestalteten und liebevoll überzeichneten Figuren, die an Schrulligkeit und Skurrilität ihresgleichen sucht – der Blick in menschliche Abgründe gerät hier so komisch wie pointiert, so unsentimental wie warmherzig.
Nach dem durchwachsenen „Rehragout-Rendezvous“ setzen Drehbuch und Regie in „Steckerlfischfiasko“ zu neuen Höhenflügen an. Ein gut funktionierender Gag jagt den nächsten. Der Film sprüht nur so vor wundervollen Details und Einfällen und verfällt kaum in Klamauk oder Albernheit. Zugleich hat die Krimikomödie aber auch das Herz am rechten Fleck und zeigt emotionale Tiefe. So nimmt der Film etwa den Konflikt rund um Pauls „weiche“ Seite – neben Ballett engagiert er sich für Tiere – durchaus ernst und wird im passenden Moment geradezu anrührend. Auch Maske sowie Kostüm- und Szenenbild präsentieren sich von ihrer besten Seite; mit ihrer Präzision und Gestaltungsfreude sind diese Gewerke ein wesentlicher Erfolgsgarant der niederbayerischen Kult-Saga.
Es scheint, als hätte die harsche Kritik der Romanautorin Rita Falk auf die Filmemacher die Wirkung eines Weckrufs gehabt: sich wieder auf die eigenen und, wie man sehen kann, zahlreich vorhandenen Stärken zu besinnen.







