Verity - Dunkle Geheimnisse










- Veröffentlichung01.10.2026
- RegieMichael Showalter
- ProduktionVereinigte Staaten (2026)
Cast
Vorstellungen
Filmkritik
Verity Crawford (Anne Hathaway) und Lowen Ashleigh (Dakota Johnson) schreiben im selben Genre. Eine Karriere hat aber nur Verity. Sie sitzt bei den Erfolgs-YouTubern von „Hot Ones“, empfängt eine einflussreiche Talkshow-Moderatorin (vom Film klar an Oprah Winfrey angelehnt) im eigenen Anwesen in Vermont, verkauft ihre Psycho-Thriller-Romanreihe millionenfach. Lowens Lesung im New Yorker Buchladen um die Ecke hat knapp drei Besucher:innen. Eine von ihnen verabschiedet sich nach wenigen Minuten, um ein Telefongespräch zu führen.
Ihre Reaktion auf das Blut ist eine seltsame Ruhe
Die Filmmusik hat das Genre längst verraten, hat sich düster lauernd unter die idyllischen Bilder aus Vermont gelegt. In New York setzt der Film noch einmal einen fetten Strich drunter, oder besser: direkt drauf. Ein Schwall Blut klatscht Lowen ins Gesicht, als sie verträumt an der Ampel steht. Ihre Reaktion ist eine seltsame Ruhe. Jeremy (Josh Hartnett), der Mann, der ihr hilft, das Blut abzuwaschen, kann nicht unterscheiden, ob sie unter Schock steht oder gefasst ist. Er selbst scheint gefasst – hier im Badezimmer eines nahen Restaurants und kurz darauf im Meeting des Verlags. Sein unerwarteter Auftritt im Meeting zwischen der Cheflektorin und Lowen ist die erste Volte des Films. Jeremy ist der Ehemann von Verity Crawford. Die Star-Autorin ist nach einem Autounfall nicht mehr in der Lage, ihre Erfolgsreihe zu beenden. Sie ist aber ein großer Fan der noch unbekannten Newcomerin. Lowen soll ihre Aufzeichnungen auswerten und die letzten Teile der Reihe schreiben – im Haus der Crawfords.
Die nächsten Twists folgen bald: Verity ist ein Pflegefall, nur noch eine in katatonische Starre verfallene Hülle. Der Ehemann hat seinen Beruf aufgegeben, um sie zu pflegen und für den gemeinsamen Sohn Crew (Brady Wagner) da zu sein. Seine Zwillingsschwester ist vor einigen Jahren ertrunken. Eine Tragödie, die Verity in ihrer Autobiografie schildert, die Lowen – der nächste Twist! – in Manuskriptform auf einem versteckten USB-Stick findet.
Plötzlich steht die Frage im Raum, ob die Autorin abgründiger Thriller-Romane vielleicht eher ein verdorbenes Wesen als eine lebhafte Fantasie hat. Die Idee kommt der jungen Autorin, die sich im Haus zwar sichtbar unwohl, an der Seite von Hausmann Jeremy aber zunehmend wohler fühlt. Auch hier bietet das Manuskript allerlei Material für die Fantasie der Jung-Autorin.
Die Jungautorin legt die Wohlfühl-Pullis ab
Wirklich anrüchig sind die dazugehörigen Szenen freilich nie. Schmutziges sucht man in der Erzählung des Manuskripts und im Luxusanwesen der Star-Autorin ohnehin vergeblich. Dennoch weiß der Film seine Spitzen zu setzen: Verity und Lowen dürfen ihr Begehren in Vergangenheit und Gegenwart, in Fantasie und Realität ausleben, dürfen beim Sex ihre Schneidezähne in die exakt selbe Kerbe der Bettkante hauen. Die Jungautorin darf sich auch sukzessive in ihr Vorbild verwandeln; die eigenen Wohlfühl-Pullis ablegen, um ihre Abendkleider anzuprobieren. Dass sie Veritys Ehemann begehrt, ist ausnahmsweise keine Volte, sondern eine so schleichende wie unabwendbare Dynamik, die damit beginnt, dass Lowen seine Avancen abwehrt, aber nicht damit endet, dass sie anschließend in der Badewanne masturbiert.
Die neue, jüngere Autorin soll also die pflegebedürftige ersetzen, deren quasi-lebloser Körper nunmehr nur noch im Weg steht. Das Setup ist nicht clever, aber der Film von Michael Showalter und sein Ensemble spielen es fantastisch aus. Josh Hartnett führt nach M. Night Shyamalans „Trap“ (2024) einmal mehr die Fassade des gutaussehenden und fürsorglichen Daddys vor, die ihre darunterliegenden Abgründe nie ganz abdecken kann. Anne Hathaway diktiert gar aus der Bewegungslosigkeit heraus den Modus des Films, der wahlweise in Richtung Verführung, Thrill und manchmal gar gen Horror ausschlägt. Dakota Johnson steht mit ihrem selbst so beschriebenen „Resting Bored Face“ als funktional leicht abwesende, immer wieder von plötzlichen Schock-Momenten überwältigte Protagonistin perfekt im Zentrum dieses schönen Psycho-Thrillers.
Platz für Spitzen
Allein der entlang von Colleen Hoovers Bestseller gezeichnete Plot kommt diesem auf Hochglanz polierten und doch ganz und gar nicht gehobenen B-Movie-Thriller immer wieder in die Quere. Zu deutlich sind die Nahtstellen zu sehen, an denen die Motive und Ereignisse zusammenlaufen, zu oft muss der Film seine Volten über Wert verkaufen, zu viel Angst hat er, seine erotischen Spitzen allzu billig aussehen zu lassen. Dass „Verity“ ihnen dennoch den Platz einräumt, ist ein notwendiges und schön umgesetztes Eingeständnis – man existiert ja letztlich doch im selben Genre.

